Finanzierung & Darlehen

Sollzins

Auch: Nominalzins, gebundener Sollzins, Bauzins

4 Min. Lesezeit Aktualisiert am

Kurz erklärt

Der Sollzins (früher Nominalzins) ist der reine Zinssatz, den du auf dein Darlehen zahlst. Nebenkosten sind darin nicht enthalten – dafür gibt es den Effektivzins. Ist der Sollzins für einen Zeitraum festgeschrieben, spricht man vom gebundenen Sollzins.

Inhalt dieses Artikels
  1. Was ist der Sollzins?
  2. Sollzins vs. Effektivzins
  3. Was beeinflusst die Höhe des Sollzinses?
  4. Beispiel: Was ein Zehntelprozent ausmacht
  5. Sollzins und Zinsbindung: der Zusammenhang
  6. Warum der Zins täglich schwankt
  7. Individueller Zins vs. Top-Zins
  8. Das Wichtigste auf einen Blick
  9. Häufige Fragen

Was ist der Sollzins?

Der Sollzins ist der Preis für geliehenes Geld. Er gibt an, wie viel Prozent der jeweiligen Restschuld du pro Jahr an Zinsen zahlst. Früher wurde er meist Nominalzins genannt; seit einer Änderung der Preisangabenverordnung heißt er offiziell Sollzins.

Beim Annuitätendarlehen ergibt sich deine Rate aus Sollzins + Anfangstilgung. Die Zinsen werden dabei immer auf die aktuelle Restschuld berechnet – deshalb sinkt der Zinsanteil mit jeder Rate.

Sollzins vs. Effektivzins

Sollzins Effektivzins
Was zeigt er? reiner Zinssatz jährliche Gesamtkosten
enthält Nebenkosten? nein bestimmte, z. B. Disagio
Grundlage für die Rate ja nein
zum Vergleich geeignet eingeschränkt ja

Der Effektivzins liegt meist etwas über dem Sollzins, weil er monatliche Zahlungen und bestimmte Kosten berücksichtigt.

Was beeinflusst die Höhe des Sollzinses?

Marktfaktoren

  • Renditen von Pfandbriefen und Bundesanleihen
  • Geldpolitik der Europäischen Zentralbank
  • Inflation und Konjunktur

Individuelle Faktoren

  • Beleihungsauslauf: je mehr Eigenkapital, desto günstiger
  • Bonität: Einkommen, Beschäftigung, Schufa
  • Sollzinsbindung: längere Bindungen kosten meist etwas mehr
  • Darlehenshöhe: sehr kleine Darlehen sind oft teurer
  • Objekt: Lage, Art und Zustand der Immobilie
  • Zusatzoptionen: Sondertilgungen oder lange bereitstellungszinsfreie Zeit können einen Aufschlag kosten

Beispiel: Was ein Zehntelprozent ausmacht

Bei 300.000 Euro Darlehen und zehn Jahren Zinsbindung macht ein Unterschied von 0,1 Prozentpunkten beim Sollzins rund 2.500 bis 3.000 Euro Zinsen aus. Bei 0,3 Prozentpunkten sind es schon grob 8.000 Euro. Ein Vergleich lohnt sich also.

Unser Tipp
Der Sollzins ist wichtig, aber nicht alles. Achte zusätzlich auf Sondertilgungen, Tilgungssatzwechsel und die bereitstellungszinsfreie Zeit. Wir vergleichen für dich die Konditionen vieler Banken und zeigen dir, welches Angebot unter dem Strich wirklich das beste ist.

Sollzins und Zinsbindung: der Zusammenhang

Ein Sollzins gilt immer für eine bestimmte Sollzinsbindung. Ein Zins von 3,4 % für zehn Jahre ist nicht mit 3,6 % für 15 Jahre vergleichbar – das zweite Angebot kann trotz höheren Zinses die bessere Wahl sein, weil es länger Sicherheit bietet. Achte deshalb immer darauf, dass du Zinsen für gleiche Zinsbindungen vergleichst.

Warum der Zins täglich schwankt

Banken passen ihre Konditionen an die Refinanzierungskosten am Kapitalmarkt an. Deshalb kann sich der angebotene Sollzins innerhalb weniger Tage ändern. Ein Angebot ist in der Regel nur kurz gültig. Wer die Unterlagen vollständig vorbereitet hat, kann ein gutes Angebot schnell annehmen.

Individueller Zins vs. Top-Zins

Beworbene Zinsen gelten meist für ideale Bedingungen. Dein individueller Zins hängt von Beleihungsauslauf, Bonität, Objekt und Zusatzoptionen ab. Erst ein konkretes Angebot zeigt, was für dich wirklich möglich ist.

faq:
F: Warum bekomme ich bei längerer Zinsbindung einen höheren Sollzins?
A: Weil die Bank sich für einen längeren Zeitraum refinanzieren muss und das Risiko steigender Zinsen trägt. Dafür verlangt sie meist einen Aufschlag.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Sollzins ist der reine Zinssatz auf dein Darlehen.
  • Er bestimmt zusammen mit der Tilgung deine Rate.
  • Zum Vergleich von Angeboten dient der Effektivzins.
  • Markt, Bonität, Eigenkapital und Zinsbindung beeinflussen seine Höhe.

Häufige Fragen: Sollzins

Wird meine Rate mit dem Sollzins berechnet?

Ja. Die monatliche Rate ergibt sich aus Sollzins und Tilgung. Der Effektivzins dient nur dem Vergleich von Angeboten.

Warum bekomme ich nicht den beworbenen Zins?

Werbezinsen gelten oft nur für beste Bonität, niedrigen Beleihungsauslauf und kurze Zinsbindung. Dein individueller Zins hängt von deiner Situation und der Immobilie ab.

Was ist ein gebundener Sollzins?

Ein Sollzins, der für einen bestimmten Zeitraum – die Sollzinsbindung – fest vereinbart ist und sich in dieser Zeit nicht ändert.

Kann ich den Sollzins mit der Bank verhandeln?

In gewissem Rahmen, vor allem mit Vergleichsangeboten. Vermittler erhalten oft Konditionen, die im Wettbewerb entstehen.

Fachlich geprüft von Yannick Roehl & Nick Zönnchen
Geschäftsführer der Deine Baufinanzierer GmbH, Eschweiler. Mehr über uns

Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzierungsberatung. Konditionen, Förderprogramme und gesetzliche Regelungen können sich ändern.

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