Kurz erklärt
Das Zinsänderungsrisiko beschreibt die Gefahr, dass die Zinsen bis zum Ende deiner Zinsbindung steigen und deine Anschlussfinanzierung teurer wird. Absichern kannst du dich mit längerer Zinsbindung, höherer Tilgung, einem Volltilgerdarlehen oder einem Forward-Darlehen.
Inhalt dieses Artikels
Was ist das Zinsänderungsrisiko?
Die meisten Baufinanzierungen laufen 25 bis 35 Jahre, der Zins ist aber nur für 10 oder 15 Jahre festgeschrieben. Danach wird die Restschuld zu dem Zins weiterfinanziert, der dann am Markt gilt. Niemand weiß heute, wie hoch dieser Zins sein wird. Das Risiko, dass er deutlich höher ist, nennt man Zinsänderungsrisiko.
Die letzten Jahre haben gezeigt, wie schnell sich das Zinsumfeld ändern kann. Wer seine Finanzierung ohne Puffer geplant hat, kann bei der Anschlussfinanzierung in Schwierigkeiten geraten.
So berechnest du dein Risiko
Die wichtigste Frage: Wie hoch ist deine Restschuld am Ende der Zinsbindung?
Beispiel: Restschuld nach 10 Jahren: 230.000 Euro, Tilgung bleibt bei gleichem Tilgungsbetrag.
| Anschlusszins | Zinsen im ersten Jahr | Mehrbelastung pro Monat ggü. 3,5 % |
|---|---|---|
| 3,5 % | 8.050 € | – |
| 4,5 % | 10.350 € | ca. 190 € |
| 5,5 % | 12.650 € | ca. 385 € |
Steigt der Zins um zwei Prozentpunkte, müsstest du bei gleicher Tilgung fast 400 Euro mehr im Monat aufbringen. Alternativ bleibt die Rate gleich, und die Tilgung sinkt – dann verlängert sich die Laufzeit deutlich.
Möglichkeiten zur Absicherung
1. Längere Zinsbindung
15 oder 20 Jahre statt 10. Das kostet oft einen kleinen Aufschlag, verschiebt das Risiko aber weit in die Zukunft – und dank § 489 BGB kannst du nach zehn Jahren trotzdem kündigen.
2. Höhere Tilgung
Je mehr du tilgst, desto kleiner ist die Restschuld und damit das Risiko.
3. Sondertilgungen
Zusätzliche Zahlungen senken die Restschuld gezielt.
4. Volltilgerdarlehen
Keine Restschuld, kein Zinsänderungsrisiko.
5. Forward-Darlehen
Du sicherst dir den Zins für die Anschlussfinanzierung bis zu fünf Jahre im Voraus.
6. Bausparvertrag
Ein Bauspardarlehen mit festem Zins kann einen Teil der Restschuld absichern.
7. Puffer im Budget
Plane deine Finanzierung so, dass auch eine höhere Rate tragbar bleibt.
Unser Tipp
Wir rechnen bei jeder Finanzierung ein Szenario mit höheren Anschlusszinsen mit. So siehst du schwarz auf weiß, wie viel Sicherheit du brauchst – und kannst bewusst entscheiden, ob dir eine längere Zinsbindung oder eine höhere Tilgung den Aufpreis wert ist.
Zinsänderungsrisiko auch bei Förderkrediten
Auch KfW-Kredite haben oft eine Zinsbindung, die kürzer ist als die Laufzeit. Nach Ablauf wird der Zins neu festgelegt – das Zinsänderungsrisiko betrifft also auch diesen Teil. Bei einer Mischfinanzierung solltest du alle Restschulden und Zinsbindungsenden im Blick behalten und gegebenenfalls unterschiedlich absichern.
faq:
F: Was ist besser: längere Zinsbindung oder höhere Tilgung?
A: Beides senkt das Risiko. Eine längere Zinsbindung verschiebt es, eine höhere Tilgung verkleinert es dauerhaft. Oft ist eine Kombination aus beidem sinnvoll.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Das Zinsänderungsrisiko betrifft die Restschuld nach Ende der Zinsbindung.
- Je höher die Restschuld, desto größer das Risiko.
- Längere Zinsbindung, höhere Tilgung und Forward-Darlehen helfen.
- Ein Volltilger nimmt das Risiko vollständig.
Häufige Fragen: Zinsänderungsrisiko
Wie groß ist mein Zinsänderungsrisiko?
Das hängt vor allem von der Höhe der Restschuld nach der Zinsbindung ab. Je höher sie ist, desto stärker wirkt sich ein Zinsanstieg auf deine Rate aus.
Kann ich mich vollständig absichern?
Ja, mit einem Volltilgerdarlehen, bei dem am Ende der Zinsbindung keine Restschuld bleibt. Alternativ mit einer sehr langen Zinsbindung.
Gibt es auch ein Risiko, wenn die Zinsen fallen?
Nur indirekt: Mit einer langen Zinsbindung profitierst du nicht von sinkenden Zinsen. Nach zehn Jahren kannst du aber nach § 489 BGB kündigen.
Wie hoch können die Zinsen steigen?
Das weiß niemand. In der Vergangenheit gab es Phasen mit deutlich höheren Bauzinsen als heute. Deshalb ist ein Puffer in der Planung wichtiger als jede Prognose.
Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzierungsberatung. Konditionen, Förderprogramme und gesetzliche Regelungen können sich ändern.
