Immobilie, Bau & Bewertung

Vergleichswertverfahren

Auch: Vergleichswert, Vergleichsfaktoren

4 Min. Lesezeit Aktualisiert am

Kurz erklärt

Beim Vergleichswertverfahren wird der Wert einer Immobilie aus den Kaufpreisen vergleichbarer Objekte abgeleitet. Es eignet sich vor allem für Eigentumswohnungen, Reihenhäuser und unbebaute Grundstücke – überall dort, wo es genügend vergleichbare Verkäufe gibt.

Inhalt dieses Artikels
  1. Was ist das Vergleichswertverfahren?
  2. Direkter und indirekter Vergleich
  3. Welche Merkmale werden verglichen?
  4. Beispiel (vereinfacht)
  5. Vergleichswertverfahren in der Finanzierung
  6. Automatisierte Bewertung bei Banken
  7. Grenzen des Verfahrens
  8. Vergleichswert und Verhandlung
  9. Das Wichtigste auf einen Blick
  10. Häufige Fragen

Was ist das Vergleichswertverfahren?

Das Vergleichswertverfahren ist das intuitivste der drei gesetzlichen Bewertungsverfahren nach der Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV). Die Idee: Was haben andere Käufer für vergleichbare Immobilien bezahlt? Daraus lässt sich ableiten, was die zu bewertende Immobilie wert ist.

Es ist das bevorzugte Verfahren, wenn es genügend Vergleichsverkäufe gibt – typischerweise bei Eigentumswohnungen, Reihenhäusern, Doppelhaushälften und Bauland.

Direkter und indirekter Vergleich

Direkter Vergleich
Es werden tatsächliche Kaufpreise von Objekten herangezogen, die in möglichst vielen Merkmalen übereinstimmen: Lage, Größe, Baujahr, Zustand, Ausstattung. Unterschiede werden durch Zu- und Abschläge ausgeglichen.

Indirekter Vergleich
Gibt es nicht genug direkt vergleichbare Verkäufe, nutzt man Vergleichsfaktoren der Gutachterausschüsse – etwa durchschnittliche Preise pro Quadratmeter Wohnfläche für Wohnungen eines bestimmten Baujahrs in einer bestimmten Lage – und passt sie mit Umrechnungskoeffizienten an.

Welche Merkmale werden verglichen?

  • Lage: Stadtteil, Straße, Umfeld
  • Wohnfläche und Zimmeranzahl
  • Baujahr und Modernisierungsgrad
  • Ausstattung: Balkon, Aufzug, Stellplatz, Bad
  • Geschosslage: Erdgeschoss, Dachgeschoss, Penthouse
  • Energieeffizienz
  • Vermietungsstand: vermietet oder frei

Beispiel (vereinfacht)

Eine 75-m²-Wohnung, Baujahr 1995, in einer Mittelstadt der Städteregion Aachen soll bewertet werden. Vergleichbare Wohnungen wurden zuletzt für durchschnittlich 2.900 Euro pro Quadratmeter verkauft.

Schritt Wert
Vergleichswert (75 m² × 2.900 €) 217.500 €
Zuschlag für modernisiertes Bad + 5 %
Abschlag für fehlenden Balkon − 3 %
= angepasster Vergleichswert ca. 221.500 €

Die Werte sind nur zur Veranschaulichung.

Vergleichswertverfahren in der Finanzierung

Banken nutzen das Vergleichswertverfahren vor allem bei Eigentumswohnungen. Viele setzen dafür automatisierte Bewertungssysteme ein, die auf großen Datenbanken beruhen. Liegt dein Kaufpreis deutlich über den Vergleichswerten, kann der Beleihungswert niedriger ausfallen – dann ist mehr Eigenkapital nötig.

Unser Tipp
Schau vor dem Kauf in den Grundstücksmarktbericht deines Gutachterausschusses. Dort findest du Vergleichsfaktoren für Wohnungen in deiner Region. So weißt du vorab, ob der Kaufpreis im Rahmen liegt – und wie die Bank ihn einschätzen wird.

Automatisierte Bewertung bei Banken

Viele Banken bewerten Eigentumswohnungen heute zunächst automatisiert. Ein System vergleicht die Eckdaten deiner Wohnung – Lage, Größe, Baujahr, Ausstattung – mit großen Datenbanken tatsächlicher Kaufpreise und liefert einen Wert. Liegt der Kaufpreis im plausiblen Bereich, genügt das häufig für die Kreditentscheidung. Weicht er stark ab oder ist das Objekt besonders, schaut ein Gutachter genauer hin. Vollständige Angaben zu Ausstattung und Modernisierungen helfen, dass das System den Wert richtig einschätzt.

Grenzen des Verfahrens

In Gegenden mit wenigen Verkäufen oder bei sehr individuellen Objekten fehlen vergleichbare Daten. Dann weichen Gutachter auf andere Verfahren aus oder kombinieren mehrere.

Vergleichswert und Verhandlung

Kennst du die Vergleichswerte, kannst du im Gespräch mit dem Verkäufer sachlich argumentieren – etwa, wenn der Angebotspreis deutlich über den Durchschnittspreisen der Region liegt.

faq:
F: Kann ich das Vergleichswertverfahren selbst anwenden?
A: Grob ja, mit Vergleichsfaktoren aus dem Grundstücksmarktbericht. Für eine belastbare Bewertung braucht es aber einen Sachverständigen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Wert wird aus Kaufpreisen vergleichbarer Immobilien abgeleitet.
  • Ideal für Eigentumswohnungen, Reihenhäuser und Grundstücke.
  • Grundlage sind die Kaufpreissammlungen der Gutachterausschüsse.
  • Banken nutzen es häufig automatisiert für Wohnungen.

Häufige Fragen: Vergleichswertverfahren

Woher kommen die Vergleichspreise?

Vor allem aus der Kaufpreissammlung der Gutachterausschüsse, in die alle notariellen Kaufverträge einfließen. Banken nutzen zudem eigene Datenbanken und Marktdaten.

Wie genau ist das Vergleichswertverfahren?

Sehr genau, wenn es viele wirklich vergleichbare Verkäufe gibt. In Gebieten mit wenigen Transaktionen oder bei besonderen Objekten ist es weniger aussagekräftig.

Was sind Vergleichsfaktoren?

Von Gutachterausschüssen ermittelte Durchschnittswerte, etwa Preise pro Quadratmeter Wohnfläche für bestimmte Objektarten, Lagen und Baujahre.

Wie viele Vergleichsobjekte braucht man?

Je mehr, desto besser. Gutachter streben eine ausreichende Anzahl wirklich vergleichbarer Verkäufe an; bei zu wenigen Daten weichen sie auf Vergleichsfaktoren oder andere Verfahren aus.

Fachlich geprüft von Yannick Roehl & Nick Zönnchen
Geschäftsführer der Deine Baufinanzierer GmbH, Eschweiler. Mehr über uns

Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzierungsberatung. Konditionen, Förderprogramme und gesetzliche Regelungen können sich ändern.

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