Kurz erklärt
Ein Notaranderkonto ist ein Treuhandkonto des Notars, über das der Kaufpreis abgewickelt werden kann. Es wird heute nur noch in Ausnahmefällen genutzt, da der Kaufpreis in der Regel direkt an den Verkäufer bzw. dessen Bank gezahlt wird, sobald der Notar die Fälligkeit bestätigt.
Inhalt dieses Artikels
Was ist ein Notaranderkonto?
Ein Notaranderkonto ist ein spezielles Treuhandkonto, das ein Notar für seine Mandanten führt. Der Käufer – bzw. seine Bank – zahlt den Kaufpreis auf dieses Konto. Der Notar zahlt das Geld erst dann an den Verkäufer und dessen Gläubiger aus, wenn alle im Vertrag vereinbarten Bedingungen erfüllt sind.
Früher war das Notaranderkonto beim Immobilienkauf weit verbreitet. Heute ist es die Ausnahme. Das Beurkundungsgesetz erlaubt die Verwahrung nur noch, wenn ein berechtigtes Sicherungsinteresse besteht.
Direktzahlung als Standard
Im Normalfall läuft die Kaufpreiszahlung so:
- Der Notar prüft, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind.
- Er schickt die Fälligkeitsmitteilung.
- Du bzw. deine Bank überweist direkt an den Verkäufer und – falls nötig – an dessen Bank zur Ablösung alter Kredite.
- Der Verkäufer bestätigt den Zahlungseingang.
- Der Notar beantragt die Eigentumsumschreibung.
Diese Direktzahlung ist sicher, weil die Auflassungsvormerkung dich schützt und die Löschungsunterlagen unter Treuhandauflagen stehen. Sie ist zudem günstiger, weil keine Verwahrungsgebühren anfallen.
Wann wird ein Notaranderkonto trotzdem genutzt?
- Viele Gläubiger: Der Verkäufer hat mehrere Banken oder andere Gläubiger, die aus dem Kaufpreis abgelöst werden müssen.
- Zwangsversteigerungs- oder Insolvenzvermerk: Die Abwicklung muss besonders abgesichert werden.
- Zahlung vor Übergabe der Sicherheiten: Wenn der Käufer vor Eintragung der Vormerkung zahlen soll, etwa aus steuerlichen Gründen des Verkäufers.
- Erbengemeinschaften: Der Kaufpreis muss auf viele Personen verteilt werden.
- Besondere Vereinbarungen: zum Beispiel Einbehalte für Mängel oder Räumung.
Was bedeutet das für deine Finanzierung?
Wird ein Notaranderkonto vereinbart, zahlt deine Bank den Kaufpreis dorthin. Wichtig ist, dass die Bank damit einverstanden ist und die Treuhandauflagen passen: Die Bank verlangt meist, dass der Notar das Geld erst auszahlt, wenn ihre Grundschuld sicher eingetragen werden kann. Außerdem können sich Auszahlungszeitpunkt und Zinsbeginn verschieben.
Unser Tipp
Steht im Vertragsentwurf ein Notaranderkonto, frag nach dem Grund. Ist es wirklich nötig, stimmen wir die Treuhandauflagen mit der Bank ab. Ist es nicht nötig, sparst du mit der Direktzahlung Kosten und Zeit.
Kosten im Vergleich
Die Hebegebühr für die Verwahrung auf dem Anderkonto richtet sich nach dem Betrag und kann bei hohen Kaufpreisen einige hundert bis über tausend Euro ausmachen. Hinzu kommen eventuell Kontoführungskosten. Bei der Direktzahlung fallen diese Kosten nicht an. Deshalb sollte ein Anderkonto nur genutzt werden, wenn es einen echten Sicherungsgrund gibt – und die Kostenfrage im Kaufvertrag geregelt ist.
faq:
F: Kann ich als Käufer ein Notaranderkonto verlangen?
A: Nur, wenn ein berechtigtes Sicherungsinteresse besteht. Ob das so ist, prüft der Notar.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Das Notaranderkonto ist ein Treuhandkonto des Notars.
- Es wird nur noch bei berechtigtem Sicherungsinteresse genutzt.
- Standard ist heute die Direktzahlung nach Fälligkeitsmitteilung.
- Es verursacht zusätzliche Gebühren.
Häufige Fragen: Notaranderkonto
Wann ist ein Notaranderkonto sinnvoll?
Etwa wenn mehrere Gläubiger des Verkäufers abgelöst werden müssen, bei Zwangsversteigerungsvermerken, wenn der Käufer vor der Übergabe zahlen soll, oder bei besonderen Konstellationen wie Nachlässen mit vielen Erben.
Was kostet ein Notaranderkonto?
Es fallen zusätzliche Notargebühren (Hebegebühren) nach dem GNotKG an, die sich nach dem verwahrten Betrag richten. Deshalb wird es nur genutzt, wenn es wirklich nötig ist.
Ist mein Geld auf dem Notaranderkonto sicher?
Ja. Das Konto ist ein Treuhandkonto, das vom Vermögen des Notars getrennt ist. Der Notar darf das Geld nur nach den Anweisungen im Vertrag auszahlen.
Wer trägt die Kosten für das Notaranderkonto?
Das regelt der Kaufvertrag. Häufig trägt sie die Partei, in deren Interesse die Verwahrung erfolgt.
Wird das Geld auf dem Anderkonto verzinst?
Das hängt von der Bank ab, bei der das Anderkonto geführt wird. Zinsen stehen in der Regel derjenigen Partei zu, der das Geld wirtschaftlich zusteht.
Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzierungsberatung. Konditionen, Förderprogramme und gesetzliche Regelungen können sich ändern.
