Finanzierung & Darlehen

Wohnimmobilienkreditrichtlinie

Auch: WIKR, Wohnimmobilienkreditrichtlinie-Umsetzungsgesetz

4 Min. Lesezeit Aktualisiert am

Kurz erklärt

Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie ist eine EU-Vorgabe, die in Deutschland seit 2016 gilt. Sie verpflichtet Banken zu einer gründlichen Prüfung deiner Kreditwürdigkeit und zu transparenter Information, zum Beispiel über das ESIS-Merkblatt. Außerdem regelt sie Beratungsstandards und Widerrufsfristen.

Inhalt dieses Artikels
  1. Was ist die Wohnimmobilienkreditrichtlinie?
  2. Was regelt die Richtlinie?
  3. Was bedeutet das für dich in der Praxis?
  4. Nachbesserungen 2017
  5. Bedeutung für Vermittler
  6. Das Wichtigste auf einen Blick
  7. Häufige Fragen

Was ist die Wohnimmobilienkreditrichtlinie?

Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie ist eine Richtlinie der Europäischen Union. Sie wurde als Reaktion auf die Finanzkrise erlassen, in der in manchen Ländern Kredite leichtfertig vergeben worden waren. Ziel ist es, Verbraucher bei Immobilienkrediten besser zu schützen und den Markt transparenter zu machen.

In Deutschland wurde die Richtlinie im März 2016 umgesetzt. Seitdem gibt es im BGB die Kategorie des Immobiliar-Verbraucherdarlehens mit besonderen Regeln.

Was regelt die Richtlinie?

1. Kreditwürdigkeitsprüfung
Banken müssen die Kreditwürdigkeit gründlich prüfen. Entscheidend ist, ob du den Kredit aus deinem Einkommen zurückzahlen kannst. Der Wert der Immobilie allein reicht nicht als Begründung.

2. Vorvertragliche Information
Du erhältst rechtzeitig vor Vertragsschluss das ESIS-Merkblatt mit allen wichtigen Konditionen in standardisierter Form.

3. Erläuterungspflichten
Die Bank muss dir den Kredit so erklären, dass du beurteilen kannst, ob er zu dir passt.

4. Beratungsstandards
Wird eine Beratung angeboten, muss sie auf einer ausreichenden Zahl von Produkten beruhen und in deinem Interesse erfolgen.

5. Anforderungen an Vermittler
Darlehensvermittler brauchen eine Erlaubnis (in Deutschland nach § 34i GewO), Sachkunde und eine Berufshaftpflichtversicherung.

6. Widerrufsrecht
14 Tage Widerrufsrecht; bei fehlerhaften Angaben erlischt es spätestens nach zwölf Monaten und 14 Tagen.

7. Kopplungsgeschäfte
Die Kopplung des Kredits an andere Produkte ist grundsätzlich verboten – mit Ausnahmen.

Was bedeutet das für dich in der Praxis?

  • Du musst deine finanzielle Situation umfassend offenlegen und belegen.
  • Banken verlangen mehr Unterlagen als früher.
  • Du bekommst standardisierte, vergleichbare Informationen.
  • Du bist besser vor einer Überschuldung geschützt.
  • Du hast bei Vermittlern die Sicherheit eines regulierten Berufsstands.

Unser Tipp
Die strengen Regeln sind kein Hindernis, wenn man weiß, worauf Banken achten. Wir bereiten deine Unterlagen so auf, dass die Kreditwürdigkeitsprüfung zügig und reibungslos läuft – und wissen, welche Banken in besonderen Situationen, etwa bei Selbstständigen oder älteren Kreditnehmern, gute Lösungen bieten.

Nachbesserungen 2017

Kurz nach Einführung zeigte sich, dass die neuen Regeln in einigen Fällen zu streng ausgelegt wurden – etwa bei älteren Kreditnehmern oder jungen Familien, deren Einkommen noch steigt. Der Gesetzgeber hat 2017 deshalb klargestellt, dass Banken bei Neubau oder Renovierung auch den künftigen Wert der Immobilie berücksichtigen können und dass bei Anschlussfinanzierungen ohne Erhöhung des Darlehens keine erneute umfassende Prüfung nötig ist. Außerdem wurden Leitlinien zur Kreditwürdigkeitsprüfung erlassen.

Bedeutung für Vermittler

Die Richtlinie hat auch den Beruf des Immobiliardarlehensvermittlers reguliert. Seitdem braucht jeder Vermittler eine Erlaubnis nach § 34i GewO, eine Berufshaftpflicht und muss regelmäßig Weiterbildungen nachweisen. Für dich bedeutet das mehr Sicherheit bei der Auswahl.

faq:
F: Hat die Richtlinie Einfluss auf die Zinsen?
A: Nicht direkt. Sie regelt Prüfung und Information. Indirekt kann eine gründlichere Prüfung aber zu risikogerechteren Konditionen führen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • EU-Richtlinie zum Schutz von Verbrauchern bei Immobilienkrediten, in Deutschland seit 2016.
  • Strenge Kreditwürdigkeitsprüfung und standardisierte Information (ESIS).
  • Regeln für Beratung, Vermittler und Widerruf.
  • Mehr Unterlagen, aber auch mehr Schutz und Transparenz.

Häufige Fragen: Wohnimmobilienkreditrichtlinie

Warum prüfen Banken seit der Richtlinie so streng?

Weil sie gesetzlich verpflichtet sind, die Kreditwürdigkeit sorgfältig zu prüfen. Ein Kredit darf nur vergeben werden, wenn die Rückzahlung wahrscheinlich ist – der Wert der Immobilie allein reicht nicht.

Haben ältere Menschen es seitdem schwerer?

Nach Einführung der Richtlinie gab es Probleme, etwa bei älteren Kreditnehmern oder jungen Familien. Der Gesetzgeber hat daraufhin 2017 nachgebessert und klargestellt, dass zum Beispiel Wertsteigerungen durch Bau oder Renovierung berücksichtigt werden können.

Gilt die Richtlinie auch für Kapitalanleger?

Ja, sofern du als Verbraucher und nicht gewerblich handelst.

Gilt die Richtlinie in ganz Europa?

Ja, alle EU-Mitgliedstaaten mussten sie umsetzen. Die konkrete Ausgestaltung unterscheidet sich aber von Land zu Land.

Fachlich geprüft von Yannick Roehl & Nick Zönnchen
Geschäftsführer der Deine Baufinanzierer GmbH, Eschweiler. Mehr über uns

Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzierungsberatung. Konditionen, Förderprogramme und gesetzliche Regelungen können sich ändern.

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