Finanzierung & Darlehen

Eigenleistung

Auch: Muskelhypothek, Selbsthilfe am Bau

4 Min. Lesezeit Aktualisiert am

Kurz erklärt

Eigenleistungen sind Arbeiten, die du beim Bau oder bei der Renovierung selbst übernimmst, zum Beispiel Malern, Bodenlegen oder Tapezieren. Banken erkennen sie in begrenztem Umfang als Eigenkapitalersatz an – die sogenannte Muskelhypothek.

Inhalt dieses Artikels
  1. Was ist Eigenleistung?
  2. Welche Arbeiten sind geeignet?
  3. Wie Banken Eigenleistung bewerten
  4. Die Risiken
  5. Eigenleistung bei Modernisierung
  6. So bewerten Banken deine Eigenleistung
  7. Die Materialfrage
  8. Das Wichtigste auf einen Blick
  9. Häufige Fragen

Was ist Eigenleistung?

Eigenleistungen sind Arbeiten am Haus, die du selbst oder mit Unterstützung von Familie und Freunden erledigst, statt eine Firma zu beauftragen. Dadurch sparst du Lohnkosten – und dieser Wert kann in der Finanzierung ähnlich wie Eigenkapital angerechnet werden. Deshalb spricht man auch von der Muskelhypothek.

Welche Arbeiten sind geeignet?

Gut geeignet:

  • Malern, Tapezieren, Lackieren
  • Bodenbeläge wie Laminat, Parkett oder Teppich verlegen
  • Fliesen legen (mit etwas Erfahrung)
  • Trockenbau und Innentüren
  • Abrissarbeiten bei Sanierungen
  • Außenanlagen, Gartenarbeiten, Pflasterarbeiten

Besser dem Fachbetrieb überlassen:

  • Elektroinstallation und Gasleitungen (aus Sicherheits- und Haftungsgründen)
  • Statik, tragende Wände, Dachkonstruktion
  • Abdichtungen, Heizungstechnik
  • Arbeiten, die für Förderprogramme von Fachbetrieben nachgewiesen werden müssen

Wie Banken Eigenleistung bewerten

Banken sind bei der Muskelhypothek vorsichtig – aus gutem Grund. Wer Vollzeit arbeitet, Kinder hat und am Wochenende baut, unterschätzt oft den Zeitaufwand. Verzögert sich die Eigenleistung, verzögert sich der Einzug, und die Kosten laufen weiter. Deshalb prüfen Banken:

  • Umfang: Meist wird nur ein Teil der Baukosten anerkannt.
  • Realismus: Passt die Arbeit zu deinen Fähigkeiten und deiner verfügbaren Zeit?
  • Aufstellung: Eine detaillierte Liste mit Gewerk, Stunden und eingesparten Kosten.
  • Materialkosten: Materialien musst du trotzdem bezahlen – nur der Arbeitslohn entfällt.

Die Risiken

  • Zeit: Eigenleistungen dauern oft länger als geplant.
  • Qualität: Fehler können Folgeschäden verursachen und Gewährleistungsansprüche gegen Firmen beeinträchtigen, wenn deren Arbeit an deine anschließt.
  • Gesundheit: Unfälle auf der Baustelle sind keine Seltenheit.
  • Finanzierung: Wenn Eigenleistungen doch an Firmen vergeben werden müssen, fehlt Geld.

Unser Tipp
Plane Eigenleistung vorsichtig ein und behalte einen Puffer für den Fall, dass du doch Handwerker brauchst. Wir wissen, welche Banken Eigenleistungen großzügiger anerkennen, und stellen sie in deiner Finanzierung realistisch dar.

Eigenleistung bei Modernisierung

Auch bei einer Sanierung kann Eigenleistung helfen, Kosten zu sparen. Beachte aber: Für viele Förderprogramme müssen bestimmte Maßnahmen von Fachbetrieben ausgeführt werden. Materialkosten für Eigenleistungen sind teilweise förderfähig – das hängt vom Programm ab.

So bewerten Banken deine Eigenleistung

Banken setzen für Eigenleistungen meist einen Stundensatz an, der deutlich unter dem Handwerkerlohn liegt, und begrenzen den Gesamtbetrag. Du solltest eine Liste mit Gewerk, geschätzten Stunden und Materialkosten vorbereiten. Plausibel ist sie, wenn Stundenzahl und Tätigkeit zu deiner Erfahrung passen. Wer beruflich vom Fach ist, bekommt oft mehr anerkannt als ein Laie.

Die Materialfrage

Oft vergessen: Bei Eigenleistungen sparst du nur den Arbeitslohn. Material musst du trotzdem bezahlen – und oft teurer einkaufen als Handwerker mit Großhandelskonditionen. Diese Materialkosten gehören in die Finanzierung.

faq:
F: Werden Eigenleistungen bei Förderprogrammen anerkannt?
A: Teilweise. Materialkosten für Eigenleistungen können bei manchen Programmen förderfähig sein, der eigene Arbeitslohn aber nicht. Oft müssen bestimmte Maßnahmen zudem von Fachbetrieben ausgeführt werden.
F: Was passiert, wenn ich die Eigenleistung nicht schaffe?
A: Dann musst du Handwerker beauftragen und die Kosten selbst tragen. Ein Puffer in der Finanzierung ist deshalb wichtig.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Eigenleistung spart Lohnkosten und kann Eigenkapital teilweise ersetzen.
  • Banken erkennen sie nur in begrenztem und realistischem Umfang an.
  • Gefährliche und technische Arbeiten gehören in Fachhände.
  • Helfer versichern und genug Zeitpuffer einplanen.

Häufige Fragen: Eigenleistung

Wie viel Eigenleistung erkennen Banken an?

Das ist von Bank zu Bank verschieden. Häufig werden bis zu 10 bis 15 % der Baukosten oder ein fester Höchstbetrag akzeptiert – vorausgesetzt, die Leistungen sind realistisch und nachvollziehbar aufgelistet.

Welche Arbeiten eignen sich für Eigenleistung?

Vor allem Innenausbauarbeiten wie Malern, Tapezieren, Bodenbeläge, Fliesen, Gartenarbeiten und Abrissarbeiten. Elektrik, Gas, Statik und Dach sollten Fachbetrieben vorbehalten bleiben.

Muss ich Helfer versichern?

Ja. Private Helfer müssen bei der Berufsgenossenschaft Bau angemeldet werden. Außerdem solltest du prüfen, ob deine Bauherrenhaftpflicht Eigenleistungen abdeckt.

Bekommen Helfer beim Hausbau Geld?

Wenn sie unentgeltlich helfen, nicht. Werden sie bezahlt, können arbeits- und sozialversicherungsrechtliche Pflichten entstehen.

Fachlich geprüft von Yannick Roehl & Nick Zönnchen
Geschäftsführer der Deine Baufinanzierer GmbH, Eschweiler. Mehr über uns

Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Finanzierungsberatung. Konditionen, Förderprogramme und gesetzliche Regelungen können sich ändern.

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